Dienstag, 2. Oktober 2012

Ayudarum: Neue Plattform für Hochschulmarketing im Mittelstand - kritisch hinterfragt im Interview

Ayudarum: Neue Plattform für Hochschulmarketing im Mittelstand - kritisch hinterfragt im Interview
Start-Ups und Projekte zu den Themen Studenten und Personalmarketing sprießen wie Pilze aus dem Boden. Leider sind viele dieser vermeintlich innovativen Ideen, die hinter diesen Start-Ups stecken relativ beliebig und austauschbar.
Heute möchte ich einem dieser Projekte die Chance geben, mich vom Gegenteil zu überzeugen., vor allem weil es die (meines Erachtens zu Unrecht vernachlässigte) Zielgruppe KMU bedienen möchte und sich alleine schon dadurch ein wenig abhebt. Das Projekt Ayudarum (ich schätze, dass der Name irgendwie vom spanischen "ayudar" = helfen abgeleitet ist) der KMU-Plattform GmbH.


Tim Verhoeven: Hallo Herr Paa, erst einmal vielen Dank für das Interview - Nun aber zum eigentlichen Thema: Skizzieren Sie bitte kurz die Funktionsweise der Plattform Ayudarum.


Lukas Paa: Ayudarum ist ein Online-Portal, welches sich als Brücke zwischen Privatwirtschaft und Hochschulwesen versteht. Auftraggeber können Aufgaben an qualifizierte Studierende, Mitarbeiter oder Professoren unserer Partnerhochschulen auslagern, welche diese dann bearbeiten. Der Auftraggeber legt den Zeitrahmen des Projektes fest und definiert ein Projektbudget, welches der Ausarbeitung gegenübersteht. Experten definieren bei ihrer Registrierung auf Ayudarum zunächst Kompetenzfelder, über die sie aufgrund ihrer einschlägigen Ausbildung verfügen.

"Unser Portal ist eine Brücke zwischen 
Privatwirtschaft und Hoschulwesen."

Tim Verhoeven: Wie stellen Sie dabei eine passende Qualität sicher?

Lukas Paa: Eine intelligente Regellogik stellt daraufhin sicher, dass sich ausschließlich qualifizierte Personen auf das ausgeschriebene Projekt bewerben können. Eine solche Bewerbung kann grundsätzlich als Einzelperson oder auch als Gruppe erfolgen. Letzteres bietet den signifikanten Vorteil, dass sich junge Studierende mit erfahrenen Professoren oder Doktoranden zusammenschließen können, um die vorhandenen Kompetenzen zu bündeln. Der Auftraggeber kann daraufhin zwischen den eingelangten Anfragen einen Experten auswählen, welcher daraufhin mit der Ausfertigung der Projektlösung beauftragt wird. Kann eine zufriedenstellende Arbeit vorgewiesen werden, beendet eine gegenseitige Bewertung der Projektpartner die Zusammenarbeit.
Daneben gilt das Prinzip der natürlichen Selektion: Nur motivierte Studenten registrieren sich bei uns.

Tim Verhoeven: Ist das die einzige Möglichkeit, Projekte zu vergeben?

Lukas Paa: Einen gänzlich anderen, neuartigen Ansatz verfolgen Ideenwettbewerbe, welche ebenfalls auf der Plattform durchgeführt werden können und somit eine Alternative zur „klassischen“ Bewerbung mit Lebenslauf und Referenzen darstellen. Dabei kann von Seiten der Privatwirtschaft eine Problemstellung allgemein kommuniziert werden und sämtliche registrierte Benutzer bringen ihre Gedanken, Vorschläge, Anregungen zu dem Sachverhalt ein. Der Experte, dessen Beitrag den Vorgaben des Auftraggebers am nächsten kommt, erhält sodann das ausgeschriebene Budget auf sein Konto transferiert. Ayudarum verwaltet nach Publizierung der Aufgaben das Projektbudget treuhänderisch und veranlasst bei erfolgreicher Fertigstellung die Überweisung an den Experten. Auch im Falle eines Konfliktes oder bei Auftreten von Unstimmigkeiten nimmt Ayudarum eine schlichtende Vermittlerrolle ein.

Tim Verhoeven: Was hat Sie motiviert bzw. inspiriert dieses Portal zu erstellen?

Lukas Paa: Die Unternehmenslandschaft in Österreich, der Schweiz und vielen Gegenden Deutschlands ist geprägt von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diesen fehlen jedoch des Öfteren die notwendigen personellen und zeitlichen Ressourcen, notwendige Aufgaben selbst auszuführen. Bedeutsame wirtschaftliche Überlegungen wie Marktbefragungen, Analysen und sonstige Erhebungen bleiben somit in Folge des sehr fordernden Betriebsalltags oftmals außen vor und wichtige Parameter für künftige Entscheidungen können nicht ermittelt werden. Die Situation von Studierenden ist uns aufgrund unseres persönlichen Hintergrundes hingegen noch besser bewusst.

"Unternehmen benötigen einen frischen, neuen Input und moderne Denkansätze, um mit der Zeit schritthalten zu können."

Die zugrundeliegende Idee zu Ayudarum lag in der Realisierung und Nutzung des immensen Synergiepotentials dieser beiden Anspruchsgruppen. Studenten haben im sich stetig zuspitzenden Bildungswettbewerb einen gesteigerten Bedarf an der Sammlung von Praxiserfahrungen und Zusatzkompetenzen. Unternehmen benötigen einen frischen, neuen Input und moderne Denkansätzen, um mit der Zeit schritthalten zu können. Führt man diese beiden Aspekte zusammen,  so kann ein Zustand erreicht werden, welcher für beide Seiten ausschließlich Vorteile bietet.Eine Studie unter mehr als 2.500 österreichischen Unternehmen hat diese Annahmen quantitativ belegt, da ein großes Interesse nachgewiesen werden konnte. Auch aus dem benachbarten Ausland liegen uns bereits Anfragen zur Umsetzung von Ayudarum vor.

Tim Verhoeven: Welchen Mehrwert haben Unternehmen von einer Kooperation mit Ihnen?

Lukas Paa: Zunächst einmal erlaubt Ayudarum es Unternehmen, sich auf ihre ökonomischen Kernkompetenzen zu fokussieren, ohne andere, ebenfalls relevante, Bereiche vernachlässigen zu können. Durch eine Projektvergabe an Studierende können heikle Aufgaben fremdvergeben werden, wobei eine rasche, effiziente und qualitativ hochwertige Ausführung stets gewährleistet ist. Des Weiteren ist es durch Nutzung der Online-Plattform möglich, bestehende Kostenstrukturen aufzubrechen und die Fixkosten zu flexibilisieren. Das Unternehmen muss nur dann Geld investieren, wenn eine Aufgabe ansteht. Es sind keinerlei Überstunden, Wochenendzulagen ö.ä. zu beachten, ein Gesamtbudget ist für die Gesamtdauer des Projektes gültig. Eine Entlohnung ist nur bei zufriedenstellender Leistung fällig. Entspricht der Lösungsvorschlag nicht zufreidenstellent, sind  Nachbesserung vorgesehen.

"Der bürokratische Aufwand kann durch unser Portal signifikant verringert werden."

Auch kann der bürokratische Aufwand für den Auftraggeber durch unser Portal signifikant reduziert werden. Eine umständliche Anmeldung des Studierenden entfällt und auch die Steuerabfuhr fällt nicht länger in den Aufgabenbereich des Klienten.Zum Schluss dieser Ausführung muss jedoch der bedeutsamste Mehrwert für Unternehmen aus der Nutzung von Ayudarum erörtert werden. So ist es möglich, die Fachkräfte von Morgen bereits heute im Rahmen eines zeitlich befristeten Projektes kenn lernen und deren Fähigkeiten und Kompetenzen überprüfen zu können, ohne dass hierfür eine wie auch immer geartete Bindung eingegangen werden müsste. Eine weitere Möglichkeit für Unternehmen durch Ayudarum zu profitieren ist die Möglichkeit des Sponsorings von Lizenzen für verschiedene Hochschulen. Das Interesse an Studenten als Zielgruppe diverser Marketingaktivitäten ist sehr groß, da diese als demographische Gruppe mit dem zukünftig höchsten Einkommen, und der größten Bereitschaft für Onlinekäufe betrachtet werden. Sponsoren können sich auf der Sub-domains der Partnerhochschulen, deren Marketingmaterialien sowie bei Veranstaltungen platzieren und somit langfristig eine breite Masse an Studenten zu erreichen.

Tim Verhoeven: Was sind Ihre Pläne in der Zukunft mit Ayudarum?

Lukas Paa: In den kommenden Wochen und Monaten wird eine Ausweitung des Geschäftsmodells auf den deutschen und schweizerischen Raum im Vordergrund der Betrachtung stehen. Derzeit arbeiten wir an der technischen Umsetzung eines Lizenzmodells, welches in absehbarer Zeit anderen Hochschulen in der DACH-Region angeboten werden soll. So kann es auch anderen Bildungseinrichtungen ermöglicht werden, ihren Studierenden die außergewöhnlichen Vorzüge unseres Modells anzubieten. Neben der Beseitigung einiger technischer Hürden gilt es überdies, rechtliche und inhaltliche Fragestellungen abzuklären, was ebenfalls bald abgeschlossen sein wird. Derzeit wird der Akquirierungsprozess energisch vorangetrieben, Verhandlungen mit österreichischen Hochschulen werden derzeit geführt. Mit ersten Ergebnissen kann bis zum Start des kommenden Semesters gerechnet werden.

Kommentare:

  1. Danke für den Beitrag und die Idee. Sehr spannend und sicher gut einsetzbar um Studentenprojekte aufsetzen zu können. Wird es eine englische Version geben?

    AntwortenLöschen
  2. Hallo,

    danke für die Einschätzung.

    Zumindest nach den Informationen, die mir zur Zeitpunkt vorlagen, als ich den Artikel geschrieben habe, wurde davon noch nichts erwähnt. Es wurde jedoch auch nicht ausgeschlossen.

    Meinst du, dass eine englische Version für die Zielgruppe Sinn machen würde?

    Gruß

    Tim

    AntwortenLöschen
  3. Ein wirklich Interessanter Beitrag :)

    Bis jetzt habe Ich mich nur mit Hochschulmarketing befasst da die Zielgruppe schon gegeben ist.

    AntwortenLöschen