Mittwoch, 8. Oktober 2014

Gastartikel von Stephan Rathgeber: Zeitarbeit und Employer Branding

Stephan Rathgeber, Head of Marketing bei Manpower
Da der Herbst leider viel zu voll gepackt ist mit spannenden HR-Veranstaltungen, komme ich gar nicht hinterher, die ganzen Inspirationen (sowohl Personen, als auch Themen) in Blog-Beiträge zu verarbeiten. Heute folgt ausnahmsweise mal wieder nichts zum Thema Candidate Experience und auch nicht zu neuen Start-Ups in der HR-Branche, sondern ein Gastbeitrag von Stephan Rathgeber, Head of Marketing bei der ManpowerGroup Deutschland und Mitautor des JOBlogs zum kontrovers diskutierten Thema Zeitarbeit im Kontext von Employer Branding. Also Viel Spaß beim Lesen!

Der Faktor Zeitarbeit im Employer Branding Zeitarbeit hat in der Öffentlichkeit noch immer ein schlechtes Image – aus vielen Gründen zu Unrecht. Die Unternehmen, die Zeitarbeit einsetzen, scheuen sich in der Regel, öffentlich darüber zu kommunizieren. Dadurch wird der Verdacht der Anrüchigkeit jedoch erst recht gefördert. Ein Teufelskreis, der schlimmstenfalls dem Arbeitgeberimage schadet und umworbene Fachkräfte verschreckt.

Dabei geht es doch auch anders: Statt den Mantel des Schweigens über den Einsatz von Zeitarbeit zu legen, sollten Unternehmen offensiv damit umgehen und selbstbewusst sagen, dass sie auf flexible Personaldienstleistungen zurückgreifen. Das mindert nicht nur das Risiko, für eine intransparente Personalpraxis gerügt zu werden. Es schafft auch echte Akzeptanz in der Belegschaft, die sich positiv auf das Verhältnis zwischen Stammmitarbeitern und Zeitarbeitnehmern auswirkt.

Zeitarbeit ist fair – auch für die Stammkräfte Es gibt gute Gründe für Zeitarbeit: Sie ist ein unverzichtbares Instrument für Unternehmen verschiedenster Größen und Branchen, die Flexibilität bei der Auftragsplanung brauchen, zum Beispiel um Auftragsspitzen zu bewältigen und um im regulären Betrieb Kündigungen und Kurzarbeit vorzubeugen. Dieses Modell hat sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewährt - und es gibt konstanten Bedarf dafür: Der Anteil der Zeitarbeitnehmer an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten beträgt seit Jahren gleichbleibend rund zweieinhalb Prozent. So kann die deutsche Wirtschaft schnell auf konjunkturelle Entwicklungen reagieren, was ein Grund für ihre Stabilität auch in Krisenzeiten ist. Trotz dieser Fakten halten sich über die Zeitarbeit viele hartnäckige Vorurteile – so ist zum Beispiel immer wieder von prekärer Beschäftigung die Rede und von Ausbeutung. Was viele Bundesbürger nicht wissen: Zeitarbeitnehmer in Deutschland sind bei den Personaldienstleistern festangestellt und erhalten wie bei jedem normalen Job ein festes Grundgehalt, das unabhängig von den Einsatzzeiten beim Kundenunternehmen gezahlt wird. Sie haben die gleichen Rechte wie jeder andere Beschäftigte – von Urlaubsanspruch über Kündigungsschutz bis zu Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Zugang zu sozialen Einrichtungen wie Betriebskindergärten, Kantinen und sogar Vorteilsprogrammen in den Kundenunternehmen.

Argumente, mit denen Unternehmen intern und extern zu Recht deutlich machen können, warum sie Zeitarbeit – in Maßen – in Anspruch nehmen, sind:

  • Arbeitsplätze schützen: Nachweislich führt der Einsatz von Zeitarbeit nicht zum Abbau regulärer Beschäftigungsverhältnisse.
  •  Experten einsetzen: Ob Unternehmensberater, IT-Dienstleister oder Gebäudereiniger – Personal aus diesen Bereichen beschäftigen die wenigsten Unternehmen dauerhaft als Stammkräfte. Denn: Es gibt Projekte und Tätigkeiten, für die Personen mit bestimmten Qualifikationen benötigt werden, jedoch nicht immer in Vollzeit und nicht immer mit den gleichen Kompetenzen. So ähnlich ist es mit der Zeitarbeit: Die Unternehmen brauchen zur richtigen Zeit den richtigen Mitarbeiter mit den richtigen Kompetenzen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Von dieser Wettbewerbsfähigkeit profitiert auch die Stammbelegschaft, sei es bei der Arbeitsplatzsicherheit oder beim Gehalt.   
  • Fachkräftemangel vermeiden:Aufgrund des Fachkräftemangels bleiben häufig Stellen unbesetzt. Das schadet dem Unternehmen – es muss Vertretungen organisieren und die Suche kostet Geld. Auch die Mitarbeiter leiden darunter, wenn sie Mehraufwand haben. Personaldienstleister können schnell Ersatz liefern, der sogar übernommen werden kann. 
  • Eine Chance für Geringqualifizierte, Arbeitslose und Berufseinsteiger: Zeitarbeit eröffnet Geringqualifizierten, Arbeitslosen und Berufseinsteigern den Zugang zum Arbeitsmarkt Karriereoptionen. Sie sammeln Berufserfahrung und können sich über Weiterbildungsprogramme der Personaldienstleister weitere Qualifikationen aneignen. Unternehmen, die Zeitarbeit einsetzen, bieten Arbeitssuchenden also auch Chancen. 

Wichtig ist bei der aktiven Kommunikation dieser Vorteile der Zeitarbeit, deutlich zu machen, dass das Unternehmen mit verantwortungsvollen Personaldienstleistern zusammenarbeitet, die nachweislich alle gesetzlichen Vorschriften einhalten und Tariflöhne zahlen. Faire Partner sind im Bundesverband der Personaldienstleiter (BAP) organisiert und einem Verhaltenskodex verpflichtet. Auch der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) führt einen Ethik-Kodex. Zeitarbeitnehmern integrieren – und positiv fürs Arbeitgeberimage nutzen.


Der Manpower JOBlog
Für Zeitarbeitnehmer muss gelten, was für Werkstudenten und Praktikanten selbstverständlich ist: Jedes Unternehmen sollte sich bemühen, ihnen das Gefühl zu geben, dazuzugehören. Das fängt beim Kennenlernprogramm am ersten Arbeitstag an, reicht über die selbstverständliche Teilnahme an Teambesprechungen, Kantinenangeboten sowie Schulungen und hört bei der Einladung zur Weihnachtsfeier nicht auf. Bereits im Vorfeld sollten die Stammkräfte informiert werden, wann welcher Zeitarbeitnehmer in ihrem Umfeld tätig ist und welche Schnittschnellen es zu ihm gibt. Und der Kollege auf Zeit sollte ab Tag 1 seiner Einsatzzeit als Teil des Teams behandelt werden, mit allem was dazu gehört.

Das fördert nicht nur die Arbeitsmotivation, es hat auch direkten Einfluss auf die Arbeitgebermarke. Denn je nach Größe des Unternehmens und Auftragslage kann die Zahl der Zeitarbeitnehmer in einem Betrieb mitunter dreistellig sein. Da unter Zeitarbeitnehmern eine vergleichsweise hohe Fluktuation herrscht – der Gesetzgeber begrenzt ihre Einsatzdauer – sollten die Unternehmen darauf achten, sich als guten Arbeitgeber zu präsentieren. Denn über ihre individuellen Netzwerke erreicht die Gruppe der Zeitarbeitnehmer einen großen Kreis von Fachkräften bis hin zu potenziellen Geschäftspartnern. Es besteht darüber hinaus ja auch die Möglichkeit, dass der Zeitarbeitnehmer selbst in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden soll, - und das Unternehmen bewirbt sich als attraktiver Arbeitgeber bei einer breiten Zielgruppe.

Kommentare:

  1. Das ist doch alles Schwachsinn. Zeitarbeit ist Ausbeutung. Da hilft es auch wenig, wenn man sich hinstellt und versucht etwas schönzurenden.

    Es bringt doch niemandem einen Mehrwert einen Zeitarbeiter einzustellen - vor allem nicht dem Zeitarbeiter selbst.

    Wie soll das einen positiven Effekt auf eine "Arbeitgebermarke" haben?

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  2. Hallo Anonym,

    ich finde deinen Gedanken nicht richtig...Alles, aber wirklich, alles hat seine Vor- und Nachteile. Deine Einschätzung ist somit schlechtweg falsch!

    Gruß
    Gehard von Zeitarbeit Augsburg

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  3. @ Anonym_17.10.2014: Warum denkst du so?... Ich bin durch Personaldienstleister München sehr gut weitervermittelt worden.

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  4. Wohlfeile Leihklitschen-Propaganda! Ein Euphemismus, der seinesgleichen sucht! Leiharbeit ist Ausbeutung der neoliberalisten Sorte. Der Leiharbeiter wird i.d.R. sowohl vom Verleiher als auch von Entleiher als Menschenmaterial betrachtet, man erhält NULL Wertschätzung. Man darf zudem die schmutzigsten und gefährlichsten Jobs erledigen, für die sich die Festangestellten zu schade sind bzw das Unternehmen seine Festangestellten schonen möchte. Auch was Urlaub angeht, herrscht Menschenverachtung pur. Steht für den Leihmalocher kein Einsatz zur Verfügung, so wird er dazu genötigt Urlaub zu nehmen, gleiches trifft auch auf die angesammelten Plusstunden zu. Wer aufmuckt und auf sine Rechte aufmerksam macht, fliegt! Ich weiss wovon ich rede, ich wurde selber als Leiharbeiter verheizt. Nie wieder Leiharbeit!!!

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