Mittwoch, 30. Januar 2013

Die größte Praktikantenstudie aller Zeiten

Die größte Praktikantenstudie aller Zeiten Heute gebe ich euch ein paar exklusive Einblicke und Meinungen zum Praktikantenreport 2012, der selbsternannten größten Praktikantenstudie aller Zeiten. Diese Studie beinhaltet die Ergebnisse von mehr als 5.500 Teilnehmern, welche auf meinpraktikum.de (dem Ausrichter dieser Studie) ihre Bewertung abgegeben haben.

Den sehr anschaulich gestalteten Praktikanten-Report könnt ihr hier finden. Dazu freue ich mich, dass sich Joschka Felten - Online-Marketing Manager bei MeinPraktikum.de bereiterklärt hat.

Tim Verhoeven: Was hat euch dazu bewegt, diese Studie zu machen?


Joschka Felten: Am Anfang stand erst einmal die Idee zu meinpraktikum.de. Da hatten wir an eine Studie noch gar nicht gedacht. Wir wollten eine Plattform schaffen, mit der der Praktikumsmarkt endlich transparenter wird. Durch Bewertungen und ehrliche Unternehmenseinblicke. Und das Ganze ging noch mehr als erwartet durch die Decke. Schon nach einem Jahr hatten wir fast 6000 Erfahrungsberichte gesammelt und dachten uns: Das muss man doch mal statistisch auswerten und schauen, ob etwas Wahres dran ist an der so genannten "Generation Praktikum".

"Für uns ist der Mythos 'Generation Praktikum' entzaubert."

Tim Verhoeven: Fasse die Kernergebnisse der Studie bitte kurz zusammen

Joschka Felten: Das Wichtigste zuerst: Für uns ist der Mythos "Generation Praktikum" entzaubert. 65,8 % aller Praktikanten sind zufrieden mit ihrem Praktikum, insbesondere mit der Arbeitsatmosphäre und der Betreuung. Von einer generellen Schlechtbehandlung der Praktikanten kann also keine Rede sein. Leider ist das aber nur eine Seite der Medaille. Insbesondere die Bezahlung der Praktikanten bietet Anlass zur Kritik. Der Durchschnittsverdienst liegt über alle Praktika hinweg bei nur 290 Euro im Monat und ganze 45,9 % aller Praktika sind unbezahlt. In einigen Branchen (wie Gesundheit und Öffentliche Verwaltung) liegt der Anteil der unvergüteten Praktika sogar bei über 80%.


Tim Verhoeven: Wie erklärt ihr euch, dass es teilweise von Branche zu Branche eklatante Unterschiede bei der Praktikantenzufriedenheit gibt?

Joschka Felten, Online-Marketing Manager, meinpraktikum.de
Joschka Felten: Der Hauptgrund ist für uns die unterschiedlich hohe Bezahlung. Unsere Studie zeigt klar: Je geringer der Verdienst, desto höher der Anteil der unzufriedenen Praktikanten. Ein langer Arbeitstag hingegen hat beispielsweise keine Auswirkung auf die Zufriedenheit. Praktikanten in Beratungen arbeiten teilweise 10 Stunden am Tag, verdienen aber auch dementsprechend viel und sind zufrieden. In der Verwaltung darf man oft schon mittags nach Hause gehen, verdient aber eben auch wenig. Daher die große Unzufriedenheit.

Und natürlich spielt es auch eine Rolle, welche Art von Praktika in den verschiedenen Branchen absolviert werden. Beispielsweise werden in der Metallverarbeitung viele Vorpraktika absolviert, also Praktika die vor dem Studium stattfinden. Hier herrscht eine große Unzufriedenheit, wahrscheinlich weil die Aufgaben entsprechend der geringen Vorqualifikation noch sehr einfach sind.

"Fast 60% der Praktikanten glauben, keine gute Karriechancen in ihrem Praktikumsbetrieb zu haben!"

Tim Verhoeven: Gibt es Ergebnisse, die dich besonders überrascht haben?

Für die komplette Infografik - anklicken
Joschka Felten: Was das Positive angeht: Vor allem die guten Gesamtbewertungen, die so gar nicht zu dem schlechten Ruf des Praktikums passen. Und dass, obwohl man denkt, dass sich auf Bewertungsportalen im Internet vor allem die Unzufriedenen tummeln und ihren Frust in Form von schlechten Erfahrungsberichten ablassen. Das ist zum Glück auf meinpraktikum.de nicht der Fall – auch weil wir einen großen Teil der Bewertungen direkt vor Ort an den Universitäten sammeln.

Im Negativen war ich persönlich – neben der oft sehr geringen Vergütung – vor allem von den schlechten Bewertungen in der Kategorie "Karrierechancen" überrascht. Fast 60 % aller Praktikanten glauben, keine guten Karrierechancen in ihrem Praktikumsbetrieb zu haben. Da fragt man sich schon, wie das mit den Erwartungen der Unternehmen zusammenpasst, von denen man vermehrt hört, junge Leute durch Praktika an sich binden zu wollen. Es stellt sich also die Frage, inwieweit Praktika in einigen Branchen doch nicht der Nachwuchsförderung dienen, sondern dem Personalmangel geschuldet sind. Ich denke da vor allem an den Gesundheits- und Gastronomiebereich.

"Es lohnt sich für Unternehmen immer gegenüber Arbeitgeberbewertungsportalen aufgeschlossen zu sein"

Tim Verhoeven: Welchen Mehrwert kann ich als Unternehmensvertreter aus dieser Studie ziehen?

Joschka Felten: Zunächst einmal kann ich sehen, worauf Praktikanten Wert legen. Dies sind vor allem eine angemessene Bezahlung und spannende Aufgaben. Zudem würde ich mich als Unternehmen noch mehr mit Frage beschäftigen, wie ich Praktikanten langfristig an mein Unternehmen binde. Viele Firmen stecken viel Geld ins Recruiting, vergessen dabei jedoch die eigenen Leute bei der Stange zu halten, wie die schlechte Bewertung der Karrierechancen von Praktikanten nahelegt. Es lohnt sich für Unternehmen immer gegenüber Arbeitgeberbewertungsportalen aufgeschlossen zu sein, denn nur dort bekommt man wirklich ehrliches Feedback der eigenen Mitarbeiter. Und weil man zu diesen Bewertungen auch stehen sollte, darf natürlich ein Partnerprofil auf meinpraktikum.de in keiner Personalmarketingstrategie fehlen.

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