Mittwoch, 12. Juni 2013

Weiblich, jung, flexibel sucht ...

Weiblich, jung, flexibel sucht ... Ein Gastartikel von Karsten Edelburg

Kurz und knackig formuliert:
Personalmarketing macht Unternehmen für potenzielle und bestehende Mitarbeiter attraktiv. Das wissen Sie. Und Sie wissen auch, dass das nur im besten Fall zutrifft. Denn die heutige Generation Y erwartet mehr als das verheuchelte „Wir arbeiten nachhaltig, und toll sind wir sowieso“, das tatsächlich einige Unternehmen versuchen. Na ja, etwas mehr Mühe geben sich die meisten schon, aber nicht immer treffen sie den Zahn der Zeit. 

Die neuen jungen Wilden 

Es gilt, sich auf die „Zielgruppen“ einzuschießen, wie es im Marketing so schön heißt. Die Zielgruppe zahlreicher Unternehmen ist jung – denn: 52,7 % der männlichen bzw. 46,5 % der weiblichen Young Professionals identifizieren sich mit dem Arbeitgeber, zeigt das trendence Young Professional Barometer. Weiblich und flexibel sind Eigenschaften, die potenzielle Mitarbeiterinnen mitbringen und damit einige Unternehmen sogar überraschen: Der verstaubte Traditionskonzern wird es nicht verstehen, dass die 30-jährige Neue unbedingt Karriere machen will, dass sie aber auch noch Flexibilität fordert, weil die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben immer mehr verschwinden. Schließlich kam man einst um 9.00 Uhr zur Arbeit, um um 17.00 Uhr den Stift wieder fallen zu lassen.

Die Generation Y ist anders: Sie möchte die Option auf einen Heimarbeitsplatz, möchte zu flexiblen Zeiten ins Office kommen, dort eine möglichst mitarbeiterfreundliche Kultur vorfinden, Coworking-Arbeitsplätze wären toll. Dann verschwindet sie nach einigen Stunden aus dem Office - mit ihrem Tablet unterm Arm, um an der frischen Luft weiterzuarbeiten. Zugegeben: Sie macht einen großartigen Job, die Generation Y, aber gegenüber früher hat sich doch schon alles sehr gewandelt. Die F.A.Z. titelt am 16.05. passend: „Die Generation Y fordert die Personalchefs heraus". Die neuen jungen Wilden sind am Start – und mir ihr: Jede Menge Digitalisierung, Globalisierung und Tertiarisierung.

Unternehmen: Mit dir kann ich mich identifizieren! 

Wie schaffen Unternehmen eine Kultur, in der sich Mitarbeiter wohlfühlen? Zunächst ist es wichtig, zu begreifen, dass Mitarbeiter die wertvollste Ressource darstellen, die Firmen haben. Wer Nachhaltigkeit verspricht, sollte bei der eigenen Belegschaft ansetzen. Unternehmen, die das begriffen haben, betreiben Personalmarketing in Reinform: Mitarbeiter identifizieren sich nicht nur mit dem Unternehmen, sie empfinden ihre Arbeit sogar als sinnstiftend. So werden Mitarbeiter zu Markenbotschaftern. So locken Firmen neues Personal an, das ebenfalls zum Markenbotschafter wird. So zeigen Unternehmen Werte und Wertigkeit. So geht Personalmarketing heute. Es gibt Mittel und Wege, sich als Unternehmen attraktiv für Mitarbeiter zu machen, die die Markenbotschaften dann heraus posaunen. In erster Linie gehört dazu die Kommunikation: Woher wollen Unternehmen wissen, was Mitarbeiter wollen, wenn sie sie nicht fragen? Kommunikationskanäle in alle Richtungen sind wahnsinnig wichtig! Das t3n-Magazin machte mit dem Artikel „Social Intranet: Wie Unternehmen soziale Netzwerke zur internen Kommunikation nutzen“ sehr gute Vorschläge! Mithilfe solcher Kommunikationskanäle lässt sich herausfinden, wodurch Mitarbeiter glücklich werden – und wie sich das Personalmarketing optimieren lässt.

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Über den Autor: Karsten Edelburg beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren damit, wie geschriebene und ungeschriebene Regeln die Karriere beeinflussen. In seinem Blog (http://www.edelburg.de/) berichtet er darüber – interessante Lektüre sowohl für Menschen (insbesondere Frauen), die ihre Karriere auf Vordermann bringen wollen, als auch für Unternehmen, die mehr Weiblichkeit in ihre Firmenkultur integrieren wollen.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Edelburg,
    ich stimme Ihnen umfassend zu - habe aber noch 2 Anmerkungen hinzu zu fügen:
    1. Man muss im ersten Schritt noch nicht einmal Zielgruppen/Bewerber und Mitarbeiter fragen was sie wollen, man muss ihnen einfach nur zuhören. Nicht nur im Unternehmen - es gibt auch jede Menge Internetforen wo man ganz viel über Bewerbungsprozesse,Firmeninternas und Mitarbeiter(un)zufriedenheit erfahren kann (was auch ein Beweis dafür ist, dass die meisten Unternehmen bzgl Kommunikation im Social Web ihre Mitarbeiter noch gar nicht sensibilisiert haben).
    2. Punkt: Sooo neu ist die Denke der GenY auch nicht.
    a)nicht alle in dieser Generation stellen diese Erwartungen an Unternehmen.
    b)Menschen mit diesen Erwartungen gab es in früheren Generationen auch - man nennt sie Selbstständige oder Freelancer.

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    1. Hallo liebe Frau Kalmeyer,

      vielen Dank für die tolle Ergänzung. Zu Punkt 1 stimme ich Ihnen gerne zu. Augenauf und zuhören. In meinen Training mache ich Übungen zum Zuhören. Die Teilnehmer sind begeistert welche Erfahrungen Sie machen! Die Ergänzung zu Punkt 2 ist auch gut, denn ich bin selber lange als Freelancer unterwegs gewesen.
      Herzlichen Dank
      Karsten Edelburg

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  2. Hallo Herr Edelburg,
    ein schöner Artikel. Ich empfinde es analog zu Ninas Kommentar allerdings auch als ein wenig zu plakativ gesprochen, wenn die GenY so als monolithischer Block dargestellt wird. Unter den GenY-Vertretern gibt es durchaus verschiedene Werte-Vorlieben, auch wenn bestimmte - ich will es nennen "technische Vorlieben" für bspw. flexible Arbeitszeit/platzmodelle oder Bring-your-own-device insgesamt stark befürwortet werden - sind oft die Werte, die wahren Treiber dahinter unterschiedlich. Diese "technischen" Aspekte aber sind m.E. nicht ausreichend um die Mitarbeiter wirklich zu emotionalisieren. Es sind nette, aber schnell kopierbare Hygienefaktoren (mit Herzberg gesprochen), die an der Oberfläche schön sind. Echte Werte gehen tiefer. Dies drückt sich bspw. in der Berufswahl aus, wenn sich eine junge Frau entscheidet Krankenschwester zu werden und eine andere Bänkerin...
    Sie schreiben "Wie schaffen Unternehmen eine Kultur, in der sich Mitarbeiter wohlfühlen?" - das ist ein wenig zu kurz gedacht oder ggf. etwas zu unscharf formuliert. Wie gestalten Unternehmen Arbeitsumfeld in der sich Mitarbeiter wohlfühlen wäre ein Aspekte. Der andere Aspekt, der der Kultur, der gelebten und geteilten Werte nämlich, dieser kann von Unternehmen nicht "geschaffen" werden. Kultur ist da. Sie ist eine Summe aus allen mitgebrachten Werten, aus dem gelebten Verhalten. Kultur ist beeinflussbar aber sie kann nicht auf dem Reißbrett kreiert werden, was die Organisationsentwicklung und das Change Management über die letzten Jahrzehnte teils leidvoll erfahren musste. Kultur kann von Unternehmen also beeinflusst, in Bahnen gelenkt werden, besser oder schlechter zur Entfaltung und zur Weiterentwicklung gebracht werden.
    Ergo: Auch GenY-Arbeitnehmer arbeiten in unterschiedlichen Unternehmenskulturen und können sich dort wohl fühlen. Wichtig ist m.E., dass die Kulturen weitgehend frei von Widersprüchen sind. Dass die Kernwerte und der Sinnkontext, in welchem das Unternehmen, seine Branche oder seine Produkte sich bewegen sich nicht mit dem Selbstverständnis und dem Wertkanon in der Belegschaft beißen. Darauf sollte geachtet werden. Dazu das Schaffen von vernüftigen Möglichkeiten, die das Markenbotschafter-Dasein erleichtern (Führungskräfte als Vorbilder, entsprechendes Ziel-Commitment, Zugang zu sozialen Netzen etc.) und dann sollte auch das mit dem Mitarbeiter zum Markenbotschafter klappen.

    Viele Grüße, Christoph Athanas

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    1. Hallo Herr Athanas,

      das gefällt mir sehr gut, was Sie dort schreiben. Sicher bin ich in meinen Beiträgen teilweise etwas plakativ - das soll aber auch so sein.

      Vielen Dank, dass Sie sich mit dem Thema so präzise auseinander setzten und ich habe ein gutes Gefühl für die Zukunft, wenn Beiträge wie Ihrn lese.

      Herzlichen Gruß

      Karsten Edelburg

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