Freitag, 26. Juli 2013

Die wichtigsten HR-Blogs - warum ein Blog-Ranking für Diskussionen sorgt

Die aktuelle Studie - fotografiert von Wollmilchsau
In der aktuellen Ausgabe (08/2013) des Print-Magazins "personalmagazin" hat das Top-Thema "Die wichtigsten HR-Blogs" zu einer sehr lebhaften Diskussion innerhalb der HR-Blogger-Community geführt. Hauptauslöser war das darin enthaltene Ranking der "15 wichtigsten HR-Blogs in Deutschland". Sind Rankings nicht eigentlich immer der Auslöser von kontroversen Diskussionen über deren Sinn und Daseinsberechtigung?



Geschrieben wurde dieser Artikel von Thorsten Petry, Professor für Organisation und Personalmanagement an der Wiesbaden Business School (und einer seiner Studentinnen), und Patric Cloos, geschäftsführender Gesellschafter bei Personalwerk GmbH in Wiesbaden.

Wer sich einen kurzen Überblick über die Inhalte verschaffen möchte, der kann sich bei Haufe und auf dem Blog von Marcus K. Reif  "Der #Aufschrei– HR-Blogs-Ranking von Nicht-Experten für Experten" informieren.

Wer schnitt wie ab?

An vorderster Front die üblichen Verdächtigen, Lutz Altmanns Personalmarketing-Blog und Gero Hesses Saatkorn. Auf Platz 5 mein Blog (über diese platzierung habe ich mich tatsächlich sehr gefreut). Verwunderung haben bei mit jedoch hinteren Platzierungen ausgelöst: Den vorletzten Platz teilen sich Henner Knabenreichs Personalmarketing2Null und die Wollmilchsau. Beides Blogs die ich sehr regelmäßig lese und sehr mag.

Wer fehlt in diesem Ranking?
Dominik Hahns Blog "Soziales Brand Marken", Das Blog von Marcus K. Reif, Das gemeinsame Blogger-Projekt Personalblogger u.a.

Warum die Aufregung?

Der geneigte Leser könnte sich nun die Frage stellen, warum sich über dieses Ranking aufgeregt wird. Auf den meisten der 15 gerankten Blogs finden sich doch haufenweise kritische Kommentare zu Recruiting-Kampagnen, Arbeitgeber-Videos und miesen Auswahlprozessen. Der neutrale Leser könnte meinen, dass HR-Blogger möglicherweise gerne Kritik austeilen, aber nicht einstecken können.

Folgende Punkte sind aus meiner Sicht dafür ausschlaggebend, dass sich einige Personen wegen dieses Rankings aufregen:

  1. Nicht-erklärte Kriterien: Die Bewertungskriterien sind leider unkommentiert und lassen dadurch viel Freiraum für Interpretationen. Warum ist bei Blog A mehr "Tiefe und Breite" als in Blog B? Warum bekommt Blog C für Quantität mehr Punkte als Blog D, obwohl Blog C relativ selten postet? Hier hätte man mit einen paar erklärenden Worten direkt für klare Verhältnisse sorgen können.

  2. Falsche Maßstäbe: Es gibt sicherlich einige der Kriterien, welche auf den ersten Blick etwas unpassend wirken. Warum soll es für ein HR-Blog negativ sein, wenn es nicht keine breite Themenvielfalt hat? Es sind doch gerade die individuellen Fachgebiete, welche die einzelnen Blogs interessant machen. Es gibt in der Praxis auch kaum Menschen die sich mit allen HR-Facetten beschäftigt haben oder sich für alle Facetten interessieren.

  3. Mein Blog ist ein Teil von Mir: Für viele HR-Blogger ist das Bloggen ein Hobby, eine Freizeitbeschäftigung, welche viel Zeit in Anspruch nimmt. In der Regel schafft man diese Investitionen nur, wenn man von "seinem Thema" begeistert ist (dies gilt übrigens genau so für viele HR-Blogger, die kommerzielle Gedanken dabei haben). Wenn man mit Herzblut bei der Sache ist und dann (subjektiv wahrgenommen) unsachlich kritisiert wird, dann führt dies zu einer Abwehrreaktion.

  4. Vertane Chance: Einen Überblick über die deutsche HR-Bloggerszene zu geben wäre eine tolle Chance gewesen, um deutlich mehr Mehrwert zu liefern. Man hätte stärker auf einzelne Blog eingehen können, oder die Blogs nach Themen bzw. Spezialisierungen clustern können.

Der eine oder andere Blogger hat sich ja schon bereit erklärt ein Interview mit den beiden Initiatoren zu führen. Ich bin gespannt was dabei heraus kommt. Zumindest ein Ziel hat der Artikel erreicht - Aufmerksamkeit schaffen ;-)

In diesem Sinne - ein schönes Wochenende

Euer Tim Verhoeven

Kommentare:

  1. Hallo Tim,
    danke für den Artikel und die Erwähnung des personalbloggers. Dass dieser Blog (so wie einige andere auch) nicht den Weg ins "Ranking" gefunden hat, sagt so einiges über die nicht vorhandene Kenntnis der ausführenden "Autoren" der Studie. Auch die Vorgehensweise, zu verheimlichen, wer hinter der Studie steht, spricht für den schlechten Stil der Macher. Marcus hat das ja in seinem Artikel sehr schön aufgegriffen.
    So, und jetzt ab in den Urlaub :-)
    Henner

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  2. Hallo Henner,

    stimmt - mir war nur nicht ganz bewusst, dass die "Bachelorarbeits-Anfrage" anscheinend bei jedem HR-Blogger durchgezogen wurde.

    Das ist dann offiziell Punkt 5 in meinem Artikel :-)

    viel Spaß im Urlaub!

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  3. Hallo Tim, schöne Analyse.

    Neben den verschiedenen aus meiner Sicht deutlichen methodischen Mängeln ist es aus meiner Sicht insb. die Verheimlichung von Personalwerk als Initiator und Nutznießer der Studie, die hier einen schalen Beigeschmack hinterlässt.

    Hier finde ich auch die Antworten von Prof. Petry auf meine Fragen im Saatkorn Blog absolut unbefriedigend. Ich hege keine Ressentiments gegen PW, null, aber ich möchte schon gern wissen wenn ich interviewt werde, WER mich interviewt, WER hinter einer Sache steckt und wer dann letztlich Zugang zu diesen Informationen hat.

    Ein in der Studie deutlich betonter Aspekt war ja, dass die Hälfte der Blogs von Dienstleistern betrieben werden, die mit dem Blog auch letztlich kommerzielle Ziele verfolgen. Das stimmt und wäre verlogen, wenn man das verneinen würde. Aber es geht eben um Content Marketing, nicht um "verkaufen". Dafür ist das Betreiben eines anspruchsvollen Blogs dann doch erheblich zu viel Arbeit und Liebesmüh. Beim Leser wird aber der Eindruck erweckt: “Vorsicht, die wollen doch nur was verkaufen!” Personalwerk als natürlich ebenso gewinnorientiertes Unternehmen verfolgt natürlich genauso kommerzielle Interessen - auch und gerade durch das "neutrale" Veröffentlichen von Studien, stellt sich aber so “neutraler Makler" auf Seiten der zu warnenden Personaler hin.

    Das ist natürlich genauso legitim, aber dafür gehört es sich eben auch, offen und transparent zu kommunizieren. Ich bin mir sicher, dass die eine oder andere Antwort der Blogger in der Befragung anders ausgefallen wären, wenn klar gewesen wäre, dass es nicht eine Bachelorandin für ihre Bachelorarbeit ist, die einen befragt, sondern eine Personalmarketing-Agentur, die z.T. direkter Wettbewerb, der hinter den Blogs stehenden Firmen ist.

    Aus meiner Sicht ist das von PW-Seite schlechter Stil, von Seiten der Hochschule höchst unwissenschaftliches Arbeiten.

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  4. Man sollte sich nicht auf solche Rankings und auf einzelne Blogs konzentrieren. Viel mehr sollte man ein breites Umfeld an Quellen haben und sich selber eine Meinung bilden. Manche Blogs sind ja sehr subjektiv gehalten. Meist vertreten sie die Meinung der Blogger, was ja natürlich verständlich sind. Jedoch darf man die die Objektivität verlieren. Aber auf alle Fälle einmal ein Anfang bei dem man sich schlau machen kann um abzuwägen ob man sich persönlich in hr management, bei professionellen Kursen wie diesen, weiterbilden lassen will oder nicht.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Karl Muitz

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  5. Ich kann mich der Aussage dieses Beitrages nur anschließen. Ich denke, dass ein Blog fast zu einem Teil der Persönlichkeit wird, und daher ist man gegenüber unbegründeten Angriffen oder wenn man einfach "übersehen" wird sehr empfindlich. Aber es geht einem auch als Leser so, denn man entscheidet sich ja bewusst für bestimmte Quellen und bei einer negativen Betrachtungsweise dieser lehnt man auch diese selbsternannten "kompetenten Kritiker" ab. Ich denke aber, dass auch ein Gelegenheitsleser dies mitbekommt, denn im Endeffekt zählt wirklich nur das Ergebnis, das kann ich als Personaldienstleister aus Wien aus eigenen Erfahrungen bestätigen. Auch wenn Werdegang und Umfeld des Kandidaten passen müssen, zählen vor allem Hearing, Feedback und die persönlichkeitsbezogenen Merkmale um einen aufschlussreichen Ergebnisbericht zu erstellen.

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