Freitag, 11. Oktober 2013

Einer der besten Arbeitgeber der Welt? Ein Interview mit Marcus K. Reif von Ernst & Young

Wie arbeitet es sich bei einem der begehrtesten Arbeitgeber der Welt? Heute habe ich das Vergnügen Marcus K. Reif von Ernst & Young zur interviewen. Inhaltlich geht es um - wer hat es anders erwartet - um die Ergebnissen der Universum Studie "The world's most attactive Employers 2013". Daneben befrage ich Markus aber auch noch zu den Themen Candidate Experience und den Synnergie-Effekten von Bloggen und HR-Arbeit.

Eine etwas detailliertere Zusammenfassung über die Studie findet ihr auf dem Blog von Marcus K. Reif.



Marcus K. Reif
Marcus K. Reif verantwortet bei Ernst & Young das Recruiting und Employer-Branding für die Länder Deutschland, Schweiz und Österreich. Nach Stationen bei der Unternehmensberatung Accenture, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, TMP Worldwide und jobpilot ist er seit Januar 2011 bei Ernst & Young mit seinem Team zuständig für die gesamte Wertschöpfungskette des Employer-Brandings, des Strategischen Personalmarketings, Hochschulmarketing und des Recruitings für die Länderorganisation Deutschland, Schweiz, Österreich.  

Tim Verhoeven: Was war deine erste Reaktion, also du von den Ergebnissen des Rankings erfahren hast?

Marcus K. Reif: Rankings sind die Währung im Employer-Branding. Wir legen den Schwerpunkt auf die nationalen Rankings, die in der Aussage für den hiesigen Markt eine hohe Relevanz haben. Die Bedürfnisse der Generationen, die bei Trendence, Universum und vielen anderen Rankings sehr gut und repräsentativ dargestellt sind, leiten uns bei unseren Maßnahmen zur Schärfung der Kultur, der Identität und der Arbeitgebermarke von EY. Das Universum-Ranking "World's Most Attractive Employer's" ist für uns natürlich ein mit Stolz gefülltes Prädikat. Wir waren sehr überrascht und freuen uns sehr über diese starke Positionierung.

Tim Verhoeven: Ich habe insbesonders durch meine 4 Jahre bei Vodafone immer wieder Karriere-Veranstaltungen erlebt, bei welchen auch EY dabei war. Meiner Wahrnehmung nach hat sich dort in den letzten Jahren einiges verändert. Was macht euren Erfolg aus und was hat sich an eurem Konzept in den letzten Jahren geändert?

Marcus K. Reif: Wir haben verstanden und begleiten sehr aktiv die kulturelle Veränderung im Unternehmen. Dadurch sind wir glaubhaft, wenn wir über die Bedürfnisse aller Generationen, aber eben auch der Gen Y sprechen und diese sehr ernst nehmen. Die HR-Abteilung erarbeitete die nötigen Instrumente hierfür, z. B. die Flexibilisierungsmöglichkeiten von Arbeitszeit und Arbeitsort, mobiles Arbeiten und ständige Weiterbildung über Trainings, Seminare und Projektarbeiten. Wir sind glaubhaft darin, diese Dinge nicht nur auf bunte Plakate zu schreiben, sondern sie erlebbar und überprüfbar zu machen. Dass wir hoch erfolgreich auf dem Markt agieren, rundet das Bild sicherlich gut ab.

Noch steht bei den Wirtschaftswissenschaftlern Google auf Platz 1
Tim Verhoeven: Woran werdet ihr in der kommenden Zeit arbeiten, um Google von Platz 1 zu stoßen bzw um weitern die Nummer 1 bei den Wirtschaftsprüfern zu bleiben?

Marcus K. Reif: Wir sind die fortschrittlichste, am weitesten international aufgestellte Professional-Services-Company. Eine Karriere bei EY bedeutet, die eigenen Talente und Potenziale zu fordern und zu fördern. Mit einer Karriere bei EY ist man auf dem Markt ein hoch geschätzter Experte. Mit unserer Employer-Value-Proposition "Whenever you join, however long you stay, the exceptional EY experience lasts a lifetime" zeichnen wir deutlicher das Bild einer Karriere bei EY, die eben nicht auf eine "Lifetime-Karriere" und somit dem Gefühl der Gen Y entgegenkommen, die keine Lebensentscheidung beim Berufseinstieg intendieren. Die Herausforderungen für unsere Branche sind sicherlich die Steigerung der wahrgenommenen Attraktivität der Berufsbilder Wirtschaftsprüferin/Wirtschaftsprüfer sowie Steuerberaterin/Steuerberater. Hier agieren wir gemeinsam mit dem Institut der Wirtschaftsprüfer und der Bundessteuerberaterkammer in sehr guten Arbeitsgruppen mit anderen Unternehmen an diesen Themen. Darüber hinaus ist die klassische Advisory oder Managementberatung ein Unternehmensbereich, der in der Attraktivität noch Potenzial nach oben hat. Auch hier werden wir weiterhin starkes Engagement zeigen.

Tim Verhoeven: Nun handelt es sich bei den Befragten der Studie "nur" um Studenten - Wie wichtig ist euch diese Zielgruppe und warum?

Marcus K. Reif: Wir leben von talentierten neuen Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern. Aus diesem Grund sind Schülermarketing, Hochschulmarketing, interessante und flexible Praktika-Angebote ein wichtiger Baustein. Wir haben heute schon über 60 % unserer Belegschaft aus der Alterskohorte der Generation Y. Somit sind die viel besprochenen HR-Trends rund um das "Y"-Thema für uns Realität und ein kultureller und personalpolitischer Beitrag für EY selbst.

Tim Verhoeven: Inwieweit wird bei euch in diesem Kontext Wert darauf gelegt, dass eine konsistente Candidate Experience erzeugt wird?

Marcus K. Reif: Sehr wichtig. Wir bieten heute schon eine sehr attraktiv wahrgenommene Zeit des Kandidaten in seinem Bewerbungsprozess. Den Fokus auf eine noch intensivere und positive Candidate-Experience wird mit der neuen Phase unserer Transformation deutlich verstärken. Darauf freuen wir uns und sind gespannt auf das Feedback unserer Kunden - also allen Bewerbern bei EY.

Marcus K. Reif ist auch als Blogger aktiv - u.a. auf Reif.org
Tim Verhoeven: Als Blogger-Kollege bist du am Puls der Zeit in puncto Personalmarketing/ Employer Branding. Welche Auswirkungen hat dies auf deine Arbeit bei EY?

Marcus K. Reif: Employer-Branding ist eine Evolution. Evolutioniert von der Personalwerbung über Personalmarketing bis hin zu den kulturellen und personalpolitischen Einflüssen geprägten Employer-Brandings. Wir sind somit eine Art Seismograph für die Entwicklungen, die ein Arbeitgeber in diesen beiden Segmenten Kultur und Personalpolitik aufnehmen und mit entsprechenden Programmen und HR-Instrumenten begegnen muss, um weiterhin als bevorzugter Arbeitgeber erfolgreich zu sein. Da ich als Blogger solche "Trends" gerne aufnehme und mich damit auseinander setze, ist das auch für meine Arbeit bei EY wichtig und förderlich.

Kommentare:

  1. Kulturelle Evolution

    "Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, da sie der Natur des Menschen angepasst ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat."

    (Vorwort zur 3. Auflage der NWO, 1918)

    Seine Jünger sagten zu ihm: "Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?" Jesus sagte: "Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: "Siehe hier oder siehe dort", sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht."

    (Nag Hammadi Codex II,2,113)

    Wo wir heute vielleicht schon sein könnten, wäre die Natürliche Wirtschaftsordnung bereits nach dem ersten Weltkrieg verwirklicht worden (womit sich der zweite erübrigt hätte), kann bestenfalls erahnen, wer die "Großen Vier" (Heinlein, Asimov, Lem, Clarke) vollständig gelesen hat. Wo die Menschheit aber heute wäre, hätte es die "heilige katholische Kirche" nicht gegeben, sprengt jedes Vorstellungsvermögen!

    Glaube Aberglaube Unglaube

    "Wir wären weit, weit über den Kapitalismus hinaus (Kapitalismus = wirtschaftlicher Zustand, in dem die Nachfrage nach Geld und Realkapitalien das Angebot übertrifft und darum den Zins bedingt), wenn seit 3000 Jahren durch die Wirtschaftskrisen die Kultur nicht immer wieder die mühsam erklommenen Stufen heruntergestoßen worden wäre; wenn die bettelhafte Armut, in der jede Krise die Volksmassen hinterlässt, nicht die Bettlergesinnung großgezogen hätte, die nun einmal den Menschen, groß und klein, in den Knochen liegt. … Die Plage des Hungers und der Druck der Schulden sind böse Erzieher.
    …Und wo wären wir heute in wissenschaftlicher, technischer, … Beziehung angelangt, wenn die vielversprechende Kultur, die das Gold, obschon blutbefleckt, geraubt und erpresst, in Rom erstehen ließ, nicht unter einer anderthalbtausendjährigen, durch Geldmangel erzeugten ökonomischen Eiszeit erstarrt, vergletschert, vernichtet worden wäre? Sicherlich säßen wir jetzt auf dem Throne Gottes und ließen das All im Kreis an unserem Finger laufen."

    Silvio Gesell (Die neue Lehre vom Geld und Zins, 1911)

    Nicht nur für jene "Experten", die die ganz hohe Kunst studiert haben, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld NICHT zu verstehen, gibt es einiges nachzuholen. Wohl dem, der schon vor dem Jüngsten Tag damit beginnt:

    Jüngstes Gericht

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  2. Ist Ernst & Young ein begehrter Arbeitgeber? Naja, auf jeden Fall lernt man dort viel, so wie bei McKinsey und Co :-)

    Alexander, Personal Coach & Trainer in Bern bei www.activepeople.ch

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  3. Meinen jetzigen Job habe ich sogar über eine Leuchtsäule von einer Agentur die Hochschulmarketing betreibt bekommen.

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